Bewerbungs-Betrug erkennen
Bewerbungs-Scams (Betrug) erkennen – worauf du unbedingt achten solltest, bevor du persönliche Daten preisgibst
Ich schreibe diesen Artikel nicht aus der Theorie heraus, sondern aus zwei sehr konkreten Perspektiven:
Zum einen habe ich viele Jahre als Bewerbungscoach und Personalberaterin gearbeitet und weiß daher sehr genau, wie seriöse Bewerbungsprozesse normalerweise ablaufen, und zum anderen befinde ich mich aktuell selbst wieder in einer Akquisephase für freiberufliche Aufträge und bewerbe mich dazu auch auf Positionen. Hierbei erlebe ich gerade aus erster Hand, in welchem Ausmaß sich Betrugsversuche im Bewerbungsmarkt verbreitet haben.
Vor allem betrifft das digitale Jobs, die du remote – also vom Homeoffice aus – ausführen kannst.
Wichtig dabei ist: Gerade Menschen, die aktiv auf Jobsuche sind, sind in einer verletzlicheren Position. Sie brauchen vielleicht dringend einen neuen Job, sind offen, hoffnungsvoll, sie wollen oder brauchen eine Chance. Und genau das wird gezielt ausgenutzt.
Worum es bei Bewerbungs-Scams wirklich geht
Die meisten dieser Betrugsversuche verfolgen ein klares Ziel: den Datenabgriff. Daten haben einen enormen Wert für Betrüger jeglicher Art, aber auch für z.B. Werbefirmen, die viel Geld für Datenlisten zahlen.
Dabei geht es nicht primär darum, dir einen Job zu geben, sondern darum, an möglichst sensible Informationen zu gelangen, die später missbraucht werden können, wie zum Beispiel deine Steuer-ID, Sozialversicherungsnummer, Bankverbindung, Ausweiskopie etc.
Und genau hier wird es gefährlich, denn viele dieser Daten reichen bereits aus, um Identitätsmissbrauch zu betreiben oder finanzielle Schäden zu verursachen.
Typische Warnsignale – worauf du unbedingt achten solltest
1. Existiert das Unternehmen überhaupt und wie lange schon?
Ein erster, sehr einfacher, aber extrem wichtiger Schritt ist die Überprüfung des Unternehmens. Googel das Unternehmen im ersten Schritt und schau mal, welche Infos es gibt. Nutze z. B. Plattformen wie North Data, um zu prüfen:
- Seit wann gibt es die Firma?
- Gibt es offizielle Einträge im Handelsregister?
- Wer sind die Geschäftsführer?
Wenn ein Unternehmen angeblich seit Jahren existiert, aber kaum Spuren im Netz hinterlässt, sollte dich das stutzig machen. Sei zudem vorsichtig bei Unternehmen, die erst frisch gegründet worden sind.
2. Gibt es eine seriöse Website mit vollständigem Impressum?
Eine professionelle Firma hat in der Regel:
- eine sauber aufgebaute Website
- ein vollständiges Impressum
- klare Kontaktdaten
- nachvollziehbare Leistungen
Achte besonders auf:
- fehlende oder unvollständige Impressumsangaben (z.B. muss ein Name eines tatsächlich Verantwortlichen für das Angebot auf der Website angegeben sein)
- generische E-Mail-Adressen (z. B. Gmail statt Unternehmensdomain)
- schlecht übersetzte Inhalte oder ungewöhnliche Formulierungen
Ein fehlendes oder fehlerhaftes Impressum ist in Deutschland ein massives Warnsignal. Hierbei kann es aber durchaus sein, weil wir gerade in der digitalen Nomaden- und Auswandererszene einen Trend zur LLC u.ä. haben, muss es nichts Schlechtes heißen, wenn kein Sitz in Deutschland agegeben ist. Meist bekommt man dann einen Vertrag, in dem explizit auf geltendes deutsches Recht bzgl. der Anstellung verwiesen wird. Bitte lass dich aber unbedingt im Zweifel anwaltlich beraten.
3. Steuernummer & Unternehmensdaten – Vorsicht bei „geklauten Identitäten“
Ein besonders perfider Trick ist, dass Scammer echte Unternehmensdaten verwenden, die sie irgendwo kopiert haben.
Deshalb gilt: Nur weil eine Steuernummer oder Firmenbezeichnung existiert, heißt das nicht, dass du mit diesem echten Unternehmen kommunizierst.
Prüfe am besten:
- Ob die Daten konsistent sind
- Ob E-Mail-Domain und Firmennamen zusammenpassen oder du einzelne Daten davon auch bei anderen Unternehmen findest oder ob diese Daten gar nicht von Google gefunden werden können, also das Unternehmen bis auf die Website sonst nicht in Erscheinung tritt, was in der heutigen Zeit sehr schwierig wäre.
- Ob Ansprechpartner wirklich zum Unternehmen gehören (LinkedIn oder XING können hier helfen).
4. „Einstellung ohne Gespräch“ – ein klares Alarmsignal
Ein absolutes No-Go ist einer der häufigsten Scams, der gerade aktuell so abläuft:
Du bewirbst dich – oder wirst sogar aktiv angeschrieben – und bekommst relativ schnell die Rückmeldung: „Wir möchten dich einstellen.“, „Du passt perfekt ins Team.“, „Ein Gespräch ist nicht nötig.“
Gerade bei angeblichen Homeoffice-Jobs wird das oft so dargestellt, als wäre der Prozess bewusst vereinfacht und als könntest du sofort loslegen mit dem Geldverdienen.
Und dann kommt der entscheidende Punkt: Du sollst vor Vertragsabschluss sensible Daten schicken, wie zum Beispiel:
- Steuer-ID
- Sozialversicherungsnummer
- Bankverbindung
- Ausweiskopie (wo auch deine Unterschrift drauf ist!!!)
Ganz wichtig: Diese Daten gibst du bitte niemals vor Vertragsabschluss heraus!!!
Es ist äußerst wichtig, hier nicht vorschnell zu handeln und sich bewusst zu machen, dass dieser Schritt bei seriösen Unternehmen IMMER nach der Vertragsunterschrift folgt! Kein seriöses Unternehmen verlangt diese Daten vor einem duch beide Seiten unterschriebenen Arbeitsvertrag. Das einzige wäre, dass dir der Vertrag bereits unterschrieben zugesendet wird und du mit Rücksendung auch deine sensiblen Daten mitschickst. Aber niemals vorher!
Der normale Ablauf ist:
- Bewerbung
- Kennenlernen / Interview (manchmal sogar mehrere Gespräche)
- Vertragsangebot
- Vertragsunterschrift
- Erst danach: Übermittlung sensibler Daten für die Personalabteilung
Wenn dieser Ablauf übersprungen wird, ist das kein „moderner digitaler Prozess“, sondern sehr wahrscheinlich ein Betrugsversuch.
Warum gerade Bewerber so anfällig für Betrug sind
Was man bei all dem verstehen muss ist, dass diese Scams nicht deshalb funktionieren, weil Menschen „leichtgläubig“ sind, sondern weil sie sich in einer bestimmten, oft existenziellen Situation befinden:
- Sie wünschen sich Stabilität
- Sie wollen oder brauchen dringend einen neuen Job
- Sie hoffen auf eine Chance
Und genau das nutzen Betrüger gezielt aus, indem sie Zeitdruck erzeugen, schnelle Zusagen machen, vorgeben alles sei „easy peasy“ und Professionalität vortäuschen. Es hat also nichts mit Schwäche zu tun, auf solche Stellenausschreibung hereinzufallen, sondern mit Vertrauen. Und oft bewerben wir uns auch „auf Masse“ über z.B. Portale wie indeed, wo man seinen Lebenslauf einfach per Schnellbewerbung und auf Knopfdruck raussenden kann. Das halte ich auch für grundsätzlich gar nicht so schlecht, aber spätestens bei der Aufforderung, seine Daten ohne ein Gespräch zu senden, sollte man misstrauisch werden.
Wie du dich konkret schützen kannst
Wenn du unsicher bist:
- nimm dir bewusst Zeit – seriöse Unternehmen drängen dich nicht.
- recherchiere das Unternehmen gründlich.
- vergleiche Kontaktinformationen.
- sprich im Zweifel mit anderen darüber.
Und vor allem: Höre immer gut auf dein Bauchgefühl. Wenn sich etwas „zu schnell“, „zu einfach“ oder „irgendwie komisch“ anfühlt, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Solltest du von psychischem Missbrauch / Mobbing betroffen sein, dann hole dir bitte unbedingt wohlwollende Unterstützung an die Seite von jmd., der sich mit der Thematik auskennt und dir auch das Gefühl geben kann, dass du bei demjenigen gut aufgehoben bist. Du solltest eine gute Psychoedukation – auch bzgl. möglicher Vorgehensweisen mit solchen Menschen, die das tun und Regulationstechniken – erhalten können, um aus einer solchen Situation so schnell wie möglich heraus zu kommen. Denn auch starke Menschen mit einem gefestigten Umfeld können unter Mobbing sehr leiden und psychische oder körperliche Schwierigkeiten bekommen. Du bist nicht alleine!

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Bildquelle
Child Hugging Golden Retriever Dog, by Sarah Rypma | Canva Pro
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